Transportlösung Fahrrad

… jetzt kommt ein längerer Text.
Fahrrad (3) (Mobile)Als Familie unternehmen wir am Fahrrad (2) (Mobile)
Wochenende gerne ausgedehnte Fahrradausflüge. Das ist ein Hobby, von dem alle etwas haben: wir genießen es aktiv zu sein und Judith liebt die Geschwindigkeit und den gemütlichen Anhänger. Bis vor kurzem (ca. 1,05 m) passte sie auch gut in den Croozer, aber irgendwann war hier das Limit erreicht.

Ein neuer Anhänger musste her und die große Suche begann…

Ich habe mich ausgiebigst mit allen mir bekannten Varianten, einen größeren Menschen mit einem Fahrrad zu transportieren, befasst und stelle sie hier gerne vor:

  • Rollfiets: ein oft gewählter Klassiker. Eine Fahrrad/ Rollstuhlkombination. An ein spezielles Fahrrad wird ein spezieller Rollstuhl angekoppelt. Dieser kann vor Ort abgekoppelt werden.
  • Tandem: Einer tritt immer, der andere kann je nach Kraft mittreten oder sich fahren lassen. Es gibt Fahrräder auf denen das große Kind sitzen kann oder sogar Liegefahrräder
  • Ein Therapiedreirad wird in eine am eigenen Fahrrad montierte Halterung gesteckt und kann so hinterher gezogen werden. Hier bietet die Firma Schuchmann mit dem „FollowMeMOMO“ eine Lösung an
  • Fahrrad mit Auffahrrampe: Dies ist ein spezielles Fahrrad, welches (meist vorne) eine Auffahrrampe hat. Der Rollstuhlfahrer bleibt also in seinem gewohnten Rollstuhl, nur das Fahrrad ist ein besonderes. Als Beispiel sei hier mal das „Velo Plus 2“ von Van Raam genannt
  • Dann gibt es Rehabuggys für große Kinder: diese werden mit einer Zugstange und speziellen Adaptern am eigenen Fahrrad befestigt. Mir sind bekannt: „Rehabuggy Kangoo von BoGeTec“, „Rehabuggy Kimba Cross von Otto Bock“ oder auch „Rabe Senior Schiebewagen mit Fahrradadapter/ Deichsel“ (ab 16 Jahre)
  • Liegeräder, die ans eigene Fahrrad gehangen werden können: Hier sei z.B. das „Trets“ von Hase bikes genannt
  • Eigenen Rollstuhl hinten ans Fahrrad hängen: hier gibt es z.B. das „Speedy Tandem“. Ein spezielles Fahrrad mit einem Adapter, an den der eigene Rollstuhl (der ebenfalls mit einem Adapter versehen ist) gehangen wird
  • Klassische Fahrradanhänger, nur eben größer: Hier kenne ich zwei Hersteller. Zum einen Firma Winther mit dem „Dolphin XL“. Von der Firma Kindercar gibt es den Kids Tourer XXL und inzwischen wohl auch noch andere Modelle. In beiden Anhängern können Adapter montiert werden auf die eine individuelle Sitzschale gesetzt werden kann.

Wenn Ihr mehr über die einzelnen Möglichkeiten erfahren möchtet, empfehle ich Euch eine Suchmaschine, in die ihr die jeweiligen Stichworte eingebt. Dann kommt Ihr auf entsprechende Info- und Bezugsseiten. Nun hatten wir also die Qual der Wahl.

Verschiedene Faktoren spielten eine Rolle:
Judith sollte bequem und lange sitzen können, wir wollten auch vor Ort mobil sein, sie muss auf jeden Fall vor Fahrtwind und Regen geschützt werden können und nett aussehen sollte das Ganze auch noch irgendwie. Ferner gab es ein paar Sachzwänge: Eine Abstellmöglichkeit steht uns nur im Keller zur Verfügung, somit durfte die Konstruktion nicht zu lang sein, da wir das „Teil“ sonst nicht in den Keller bekommen würden. Ferner ist die Kellertür nicht sonderlich breit, auch das mussten wir berücksichtigen. Da wir durchaus auch mal 40 km fahren war uns die liebste Lösung, den Transport mit dem eigenen, schnellen Fahrrad zu bewerkstelligen.
Schaut man sich o.g. Lösungen an, blieben noch die Rehabuggys und die großen Fahrradanhänger übrig.
Fahrradanhänger: wir koppeln Judith vor Ort oft ab, da wir z.B. geocachen, eine Pause machen, etwas spazieren gehen, usw. Der Anhänger muss also auch zum schieben gut geeignet sein.
Ferner wurde es schon mit dem Croozer schwierig, sie dort reinzuheben, da man nur von vorne ran kommt. Je schwerer sie wird, desto schwieriger würde es auch sein, sie nur von vorne in einen Anhänger zu heben.
Also doch einen Buggy? Allerdings zieht ein Riesen-Kind in einem normal aussehenden Buggy die Blicke noch mehr auf sich, weil die Leute es nicht so recht einordnen können. Trotzdem schien die Variante Buggy die am ehesten passende zu sein. Hier suchte ich nun weiter. Über viele Umwege (habe einfach verschiedene Wortkombinationen in Bildersuchmaschinen eingegeben, auch auf englisch) kam ich auf eine tschechische Firma die bei weiterer Recherche auch eine deutschsprachige Seite hatte. Der Anhänger den sie produzieren heißt „Benecykl Kozlik“ und war genau passend!
Der „bene“ wird hinten ans eigene Rad gehangen. Mit wenigen Handgriffen kann er zum Schiebewagen umfunktioniert werden (das geht viel leichter als beim Croozer!). Die Räder sind angekippt, so dass der Anhänger wirklich stabil und leichtgängig fährt. Er sieht sportlich und gar nicht so „baby-mäßig“ aus. Man kann sein Kind sowohl offen, als auch mit Mückennetz und/ oder mit Regenplane fahren. Seitliches Reinheben ist somit problemlos möglich.
Es gibt umfangreiches Zubehör, z.B. Wintersack, Positionierungshilfen, verschiedene Taschen, eine optionale Federung (macht den Anhänger allerdings 4 cm breiter), ein „Buggy-Rad“, ein „Jogger-Rad“ oder auch ein Ski-Set. Er ist sehr leicht und geht in der Variante die wir haben, bis 1,50m Körperlänge. Da dies laut Endokrinologin auch Judiths ungefähre End-Größe sein wird, also ein Anhänger fürs Leben : -)Fahrrad (4) (Mobile)

Wir schrieben die Firma an und verabredeten für eine Besichtigung in Tschechien (jaja, für unser Kind ist kein Weg zu weit 😉 ) und fuhren im tiefen Winter über die Grenze. Die Verständigung klappte gut auf Deutsch. Gut war, noch mal einige Maße genau zu nehmen (Stichwort Kellertür- die Federung ging somit leider nicht) und konkrete Wünsche abzustimmen (z.B. dass der Lenker 10 cm länger gebaut wird oder die Positionierungshilfe auf kleinere Körpermaße angepasst wird,…). Es werden wohl immer einige Bestellungen gesammelt und wenn eine gewisse Menge zusammen gekommen ist, wird wieder eine Serie produziert. Die Wartezeit sollte maximal sechs Wochen sein, unser Anhänger war aber glaube ich schon innerhalb von drei Wochen gebaut. Die Lieferung war unkompliziert: wir vereinbarten einen Termin und er wurde uns persönlich nach Hause gebracht. Hier bekamen wir auch eine ausführliche Einweisung. Nun haben wir den Benecykl schon fast ein Jahr und sind super glücklich damit!
Wir nutzen ihn nicht nur zum Fahrrad fahren. Auch für längere Strecken, gerade in unebenem Gelände ist er gut geeignet. Judith sitzt darin sehr bequem und gerade, wenn wir lange unterwegs sind und sie gegenüber Reizen abschirmen wollen, ist die „Variante Mückennetz“ echt praktisch. Im Winter bei Schnee kommt man mit der Jogger-Variante gut vorwärts. Der Anhänger ist so gebaut, dass wir sie auf langen Touren mit der Bettdecke zudecken, so ist sie richtig schön eingekuschelt. Um sie vor Stößen zu schützen, gab uns die Rehatechnikerin den Rat, ein aufblasbares Outdoor- Sitz bzw. –Kopfkissen zu verwenden. Hier sitzt Judith noch mal komfortabler. Dadurch, dass die gesamte Sitzkonstruktion aber mit einer Schnur am Rahmen befestigt ist, werden eh viele Vibrationen abgefangen.

Alles in allem sind wir sehr zufrieden, auch wenn die o.g. Varianten sicher auch Vorteile haben. Jeder muss sein System finden und ich hoffe, Euch hierbei ein wenig geholfen zu haben!

Fahrrad (1) (Mobile)

13 Kommentare zu „Transportlösung Fahrrad

  1. Hallo,
    wir liebäugeln auch gerade mit dem benecycle. Ich habe einige Fragen dazu. Können wir vielleicht mal telefonieren?
    Viele Grüße
    Regine Hose

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  2. Hallihalli ich hätte auch ein paar fragen. Leider kann ich die Homepage der Firma nicht finden – könnt ihr mir die senden? Und was kostet der Anhänger denn ungefähr? Danke und liebe grüße tina

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    1. Hallo Tina,
      Die Homepage findest Du unter http://www.benecykl.cz
      Es gibt eine deutschsprechende Mitarbeiterin, die auch immer mal in Deutschland ist. Sie kommt also auch zu Euch nach Hause. Unser Anhänger hat um die 1500€ gekostet, der Endpreis hängt vom Zubehör ab. Wir nutzen ihn seit über einem Jahr und sind jedes mal wieder begeistert!

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  3. Hallo liebe Familie von Judith,

    wir standen vor dem gleichen Problem, wie wir unser besonderes Kind mit dem Fahrrad bewegen können und ich bin durch Zufall auf diese Seite gekommen. Ich möchte micht ganz herzlich für die tollen Informationen und die gute Übersicht bedanken. Mit diesen Informationen sind wir zur Irma Reha Messe gefahren und haben uns die neuesten Sachen einmal in Natura angeschaut und ausprobiert. Letztendlich haben wir uns für die Rolli Anhängevariante entschieden und freuen uns drauf, wenn wir sie endlich zu Hause haben.
    Nochmals vielen Dank!

    Viele Grüße

    Marco

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    1. Hallo Marco,
      Das freut mich!
      Diese Rolli-Anhängevariante habe ich bisher nur in Kombination mit einem Fahrrad von Sopur gesehen. Oder gibt es hier noch andere Lösungen? Welche Variante habt Ihr?
      Mit dem Benecykl sind wir super glücklich, aber bei Fahrten alleine mit absehbarer Pflege (aus dem Gefährt rausheben) ist es gar nicht so einfach…
      Viele Grüße, Anne

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      1. Hallo Anne,
        Speedy hat auf der diesjährigen Irma eine neue Tandem Version vorgestellt. Nach wie vor ist es ein spezielles E-Bike (das lässt sich wohl zulassungstechnisch nicht anders machen) und ein Zwischenteil, das in einen Adapter am Rolli und am Gepächträger des Fahrrades angeschlossen wird. Das Zwischenteil kann man nun komplett abnehmen und hat dann ein halbwegs normales E-Bike. Die bisherige Variante mit den Bleibatterien am Vorderrad und dem fest angebauten Adapter fanden wir nicht so sonderlich gut, aber die neue Variante hat uns überzeugt.
        Unser Ziel ist vor Ort mit Rolli mobil zu sein, was der Ansatz genau bietet. Da sind die Bedürfnisse und Lösungen halt immer individuell. Als Alternative hatten wir uns noch die Schuchmannlösung angeschaut und überlegt, ob man dort ein Handbike einhängen könnte. Aber das ist natürlich von Schuchmann so nur mit dem Momo zugelassen und mit einem Rollihandbike durch das nötige Ankippen schwieriger.
        Wir hatten schon nach solchen Lösungen rumgefragt, aber auf die Speedy Lösung bin ich erst durch Deinen Blog gekommen. Das nun auch gleich die Irma in Hamburg lief und dort dieses neue Modell vorgestellt wurde, war unglaubliches Timing. Manchmal braucht man halt auch etwas Glück.
        Und davon wünsche ich euch auch ganz viel.
        Viele Grüße, Marco

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      2. Vielen Dank für Deine Schilderungen, ich freue mich immer über solch informationsreiche Antworten, von denen andere Leser hoffentlich dann auch wieder profitieren 🙂

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