Leben mit Pflegedienst: Die Qual der Wahl

Im Laufe der Zeit haben wir bereits drei Pflegedienste kennengelernt. Den allerersten nahmen wir, da er bundesweit Werbung machte, sich als kompetent in Sachen außerklinische Intensivpflege präsentierte und für die Pflegekasse günstig war. Da waren wir noch etwas naiv 😉
Wir wussten nicht, worauf zu achten ist und was einen guten Pflegedienst ausmacht…
Es stellte sich heraus, dass der Pflegedienst überwiegend Pflegekräfte einsetzte die noch nie vorher ein lungenkrankes Kleinkind betreut hatten (teilweise kettenrauchende Altenpfleger) und dadurch in vielen Situationen unsicher waren. Die Schwestern hatten auch wenig Kontrolle: die Pflegedienstleitung war für einen sehr großen Bereich zuständig, welchselte in unserer Zeit auch drei Mal und die sonstige Organisation wurde zentral organisiert. Nach einigen einschneidenden Erlebnissen war es an der Zeit, den Pflegedienst zu wechseln…

Durch den Kinderhospizdienst wurden wir auf einen örtlichen Kinderpflegedienst aufmerksam gemacht. Was für eine Wohltat war es, als die ersten Kinderkrankenschwestern kamen die zum einen kompetent, zum anderen liebevoll mit Judith umgingen. Zudem war der Kontakt zu den Pflegedienstleiterinnen sehr eng und so spielte sich alles sehr schnell ein.
Der Träger war eine große Hilfsorganisation und dementsprechend herzlich war die Pflege organisiert. Der Wechsel hatte sich gelohnt!

Dann zogen wir in eine andere Stadt und leider mussten wir dadurch erneut wechseln… Nun hatten wir mittlerweile einige Erfahrungen gesammelt und stellten  im Kennenlerngespräch gezielte Fragen:

  • Welche Berufsgruppen stellen Sie überwiegend ein?
  • Wie lange im Voraus müssen die Dienstzeiten abgesprochen werden?
  • Wie kurzfristig können wir Zeiten verschieben?
  • Wie wird die Einarbeitung organisiert?
  • Wie viele unterschiedliche Schwestern werden in einer Familie eingesetzt?
  • Wie werden die Schwestern auf den Einsatz vorbereitet?
  • Was passiert, wenn eine Schwester spontan ausfällt?
  • Wie gehen Sie mit groben Fehlverhalten Ihrer Mitarbeiter um?
  • Wie dokumentieren Sie?

Der Pflegedienst machte einen professionellen Eindruck und so wurde dieser unsere nächste Wahl. Der Eindruck hat sich bestätigt: die gegenseitige Anleitung funktioniert super gut untereinander. Die Dokumentation ist sehr gründlich so dass alle Arbeiten die anfallen, auch bedacht werden. Regelmäßig gibt es Berichte, so dass alle Schwestern auf dem aktuellen Stand sind. Auch die Kommunikation klappt ziemlich reibungslos. Puh!

Auch wenn jeder Pflegedienstwechsel ein kleines Abenteuer war, so ist es beide Male gut ausgegangen.

Mit jedem neuen Pflegedienst haben wir etwas dazu gelernt. So sagen wir jetzt z.B. gleich zu Anfang, dass wir auf Distanz Wert legen und immer beim „Sie“ bleiben werden, egal wie nett wir die Schwester finden. Weiterhin besprechen wir gleich zu Anfang unseren Wunsch auf Achtung der Privatsphäre, das ist für die meisten Schwestern jedoch eh selbstverständlich. Doch in der alten Wohnung teilten wir uns ein Bad und wir lernten dass es nicht einengend, sondern im Gegenteil hilfreich ist, sehr eindeutige Absprachen diesbezüglich zu treffen. Da wir umziehen mussten, konnten wir die Anwesenheit einer „fremden“ Person in der Wohnung mit berücksichtigen und beim Grundriss mit darauf achten dass Judiths und unser Bereich etwas voneinander getrennt sind.

Wir kennen auch Eltern, die den Pflegedienst mit ins Familienleben einbeziehen, aber so „intim“ möchten wir das nicht (auch wenn wir alle Schwestern sehr mögen!).

Wichtig ist es, sich vorher gut zu überlegen was man möchte und wo die persönliche Grenze erreicht ist und dies gut zu abzusprechen, dann wird das „Abenteuer Pflegedienst“ eine echte Entlastung fürs Familienleben!

2 Kommentare zu „Leben mit Pflegedienst: Die Qual der Wahl

  1. als Hauspflegerin kann ich mich etwas in eure Situation einfühlen – von der anderen Seite her. Ich selber habe es immer geschätzt, gleich zu Anfang die „Regeln“ gesagt zu bekommen und sie nicht selber mühsam herausfinden zu müssen. Bei einer Familie wurden sie sogar auf der Leitstelle aufgeschrieben und so vor Beginn der Arbeit vermittelt. Auch das Sie sagen hilft beim Distanz wahren, eine Ausnahme kann man dann immer noch machen wenn es für beide Seiten stimmt.

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