Trinken- (k)ein Kinderspiel. Ein langer Weg (2)

(Teil 1 könnt ihr im letzten Beitrag nachlesen)
Doch dann, Ende 2017…
….Wurde sie wieder einmal schwer krank, eine Komplikation reihte sich an die nächste. Insgesamt lag sie über sieben Wochen auf der Intensivstation. Froh, überhaupt irgendwann nach Hause gehen zu können, rückte das trinken kurzzeitig in den Hintergrund. Judith war zu schwach, sie bekam die Flüssigkeit über die Sonde.
Erste Trinkversuche schlugen fehl. Sie verschluckte sich sehr heftig und traute sich beim nächsten Mal nicht, noch mal zu trinken.
Nach mehreren Wochen mit geduldigen Versuchen war klar: hier gibt es jetzt ein größeres Problem. Ein Arzt sagte, wir sollen dranbleiben, das kann jetzt auch mal ein halbes Jahr dauern. Naja, und wenn es gar nicht geht, dann ist der Weg eben die Flüssigkeitsgabe über die Sonde.

Um Judiths Mund feucht zu halten und Nahrungsreste nachzuspülen, dickte ich ein Getränk in einer Schale an und gab ihr davon zu den Mahlzeiten einige Löffel. Aber das trinken wollten wir nicht aufgeben…

Also kam Frau B. in Judiths Leben, eine sehr fitte, nette Logopädin. Nach einer Kennenlernphase beschäftigte sie sich intensiv mit der Mundmotorik. Hier kam z.B. das Mundmassagegerät Wakkelpudding zum Einsatz oder Kauschläuche.
Das halbe Jahr verging, nichts tat sich. Frau B. kam weiterhin. Nach diesem halben Jahr kam noch ein erschwerender Faktor hinzu: die ketogene Diät. Das Saft-Teegemisch, das wir andickten, ging also so auch nicht mehr. Als Andickungsmittel konnten wir fortan nur noch Johannisbrotkernmehl verwenden, der Saft wurde durch keto-geeignete Getränkepulver ersetzt. Diese richtig zu dosieren und einen Geschmack zu finden der Judith zusagt, war eine weitere Herausforderung.
Anfang dieses Jahres war Judith nochmals sehr schwer krank und über zehn Tage sediert und intubiert.
Erstaunlich schnell erholte sie sich. Frau B. sah minimale Fortschritte. Sie glaubte weiter an Judith und machte einen unorthodoxen Vorschlag: Ob wir es mal mit einem Babysauger probieren wollte?? Hm…. Judith ist elf…
Naja, das Ziel hieß trinken und so kramte ich einen Sauger der noch in irgendeiner Schrankecke sein Dasein fristete wieder aus. Besser als gedacht akzeptiert Judith diese Trinkmöglichkeit. Allerdings war der Sauger für den großen Mund natürlich viel zu klein. Abhilfe brachte ein Spezialsauger für Kinder mit Gaumenspalte. Dieser war ausreichend groß und -oh Wunder- Judith trank daraus nennenswerte Mengen!


Völlig glücklich gönnten wir ihr diesen etwas merkwürdig aussehenden Sauger. Das Loch machten wir ziemlich groß, die Flüssigkeit wurde wieder mit Johannisbrotkernmehl angedickt. Zur höheren Motivation sprangen wir noch weiter über unseren Schatten und fortan gab es Zucker- und koffeinfreie Coca Cola aus der Babyflasche 🙂
Nachdem das einen Monat lang sehr gut klappte, gingen wir wieder einen Schritt weiter und versuchten es erneut mit dem Strohhalm. Um ihr den Übergang vom Sauger zum Strohhalm zu erleichtern, fiel die Wahl auf einen Silikon-Strohhalm.

An diesen stecken wir das Ventil und tatsächlich kann Judith hieraus auch sehr gut trinken!

Wow, das war jetzt ein ziemlich langer Text für einen ziemlich langen Weg.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s