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Leben mit Pflegedienst: Wer bekommt Behandlungspflege?

Wie kommt man an einen Pflegedienst? Zunächst muss geklärt werden, ob der Bedarf an Behandlungspflege groß genug ist, um einen solchen Einsatz zu rechtfertigen. Es gibt einen Unterschied zwischen Grund- und Behandlungspflege. Grundpflege ist grob gesagt alles, was jeder Mensch bei sich selber tut, um durchs Leben zu kommen: Nahrungsaufnahme, laufen, sich waschen, sich bewegen, ….
Hierfür gibt es ab einem bestimmten Hilfebedarf am Tag eine Pflegestufe und wenn die Pflege durch eine Person im Haushalt gesichert ist, auch Pflegegeld. 

Behandlungspflege: Das sind medizinische Handgriffe, z.B.: Verbandswechsel, Krankenbeobachtung, Katheterisieren, Spritzen geben, absaugen, (Notfall-)Medikamente verabreichen, Atmung überwachen,…

Das wird alles zeitlich nicht in die Pflegestufe hineingerechnet, da diese Dinge –vereinfacht ausgedrückt- nicht zum „normalen“ Leben eines jeden dazugehören sondern eben ärztlich verordnete medizinische Dinge sind.
Viele Handgriffe (am besten alle) können auch die Eltern selber durchführen, allerdings gibt es eben auch Grenzen. So kann ich z.B. theoretisch auch selber eine Magensonde legen, allerdings habe ich nicht die Routine einer Krankenschwester und wenn es nach dem dritten Versuch nicht geklappt hat, bin ich sehr froh wenn die Schwester diese dann legt.
Oder eben die Versorgung in der Nacht: irgendwann brauchen auch wir mal eine Phase der Erholung und können nicht die ganze Nacht wach bleiben, da wir Judith ja auch tagsüber gut versorgen müssen. Also kommt an dieser Stelle der Pflegedienst zum Zug.

Hierzu muss eine ärztliche Verordnung vorliegen. Diese lässt man sich am besten im SPZ oder von einem Facharzt ausstellen, da niedergelassene Kinderärzte seltener mit diesem Thema zu tun haben. Nun wird die Verordnung unterschrieben und vom Pflegedienst zur Pflegekasse geschickt. Und wenn diese kein Veto einlegt, kann es auch schon losgehen. In vielen Fällen wird ein Stundenkontingent verordnet und man bespricht mit dem Pflegedienst, von wann bis wann die Versorgung notwendig ist. Wenn nur eine punktuelle Versorgung stattfindet (z.B. Insulin spritzen, Katheterisieren, Verband wechseln,…), kommt der Pflegedienst wie bei älteren Menschen kurz her, verrichtet seine Aufgabe und fährt wieder. Bei einer längeren Zeit begleitet der Pflegedienst denjenigen dorthin wo er grad ist: in die Schule, zur Arbeit oder auch mal in den Urlaub.

Leben mit Pflegedienst: Warum eigentlich?

Zunächst möchte ich auf die Frage „Warum eigentlich?“ näher eingehen.
Viele Menschen aus unserer Umgebung sind zunächst irritiert warum bei Judith jede Nacht jemand mit im Zimmer sitzt.
Nun, bei Judith sind nachts viele medizinische Handgriffe notwendig: so hat sie, da sie nachts zu flach atmet, eine sogenannte CPAP-Atemhilfe. Das ist ein Gerät das, einfach ausgedrückt, über einen Schlauch und eine Maske einen Druck in die Lunge gibt, damit diese „offen“ gehalten wird. So eine CPAP-Therapie muss gut überwacht werden; besonders schnell muss man z.B. sein, wenn Judith bricht. Dann muss die Maske ganz schnell abgemacht werden da sie sonst mit dem nächsten Atemzug das Erbrochene einatmet.
Oder: sie dreht sich und die Maske verrutscht und die ganze Luft geht an der Seite vorbei, oder sie dreht sich und der Schlauch fliegt gleich ganz ab. Dann muss die Schwester eingreifen. Möglichst noch, bevor der laute Alarm los geht…

In diesem Zusammenhang werden Judiths Werte mit einem Monitor überwacht. Diese behält die Schwester die ganze Nacht im Blick und interveniert gegebenenfalls: fällt die Sättigung zu sehr, schließt sie an das CPAP-Gerät noch die Sauerstoffzufuhr an und Judith bekommt zusätzlichen Sauerstoff. Zunächst versucht sie aber immer, durch eine andere Lagerung die Atmung zu erleichtern, das heißt, die Schwester ist immer einsatzbereit.

Weitere Handgriffe werden durch die Schwester in der Nacht durchgeführt: katheterisieren, Medikamentenkontrolle (regelmäßig gibt es z.B. eine Inventur um immer im Blick zu haben, welche Medikamente neu aufgefüllt werden müssen), Medikamentenvorbereitung, Gerätepflege, Dokumentation, …

Fakt ist: ohne Pflegedienst ginge es nicht! Wir sind sehr froh, dass es diese Möglichkeit gibt.

In den nächsten Beiträgen werde ich dann etwas dazu schreiben, „Wie“ es mit Pflegedienst geht: zum einen, wie man an einen Pflegedienst kommt, zum anderen, wie wir alle unser Leben mit einer fremden Person im Haus organisieren.