Archiv der Kategorie: Leben mit Pflegedienst

CPAP-Atemunterstützung: Allgemeines

CPAP-GerätHier nur zunächst ein kurzer Überblick. Dass Judith im Schlaf zu flach atmet, erwähnte ich ja bereits an anderer Stelle. Deshalb war zunächst der Versuch, sie mit einer kontinuierlichen Sauerstoffgabe zu unterstützen. Nach einigem Ausprobieren und Untersuchungen im Schlaflabor empfahl man uns dann aber doch, mit dem CPAP zu beginnen. Wer sich näher mit dem Thema befassen möchte, dem sei der Wikipedia-Artikel hierzu empfohlen.

Wir hatten ordentlich Respekt vor diesem Schritt: zum einen vermuteten wir, dass Judith große Akzeptanzprobleme haben würde, zum anderen war klar, dass wir das alleine nicht mehr abdecken können. Schon die nächtliche Sauerstoffgabe war schwierig umzusetzen (ein paar Beispiele: einmal verschliefen wir einen fünf-minütigen Sättigungsabfall- Alarm komplett, ein anderes mal kamen wir morgens ins Zimmer und Judith lag, mit dem Sauerstoffschlauch um den Hals und das ganze auf Spannung im Bett; hätte sie sich noch ein kleines Stück weiter bewegt, hätte sie sich stranguliert,…) von daher würde mit dem CPAP-Gerät auch ein Pflegedienst mit dazu kommen…
Allerdings gab es im Grunde keine andere Wahl, so dass wir das CPAP-Abenteuer starteten.

Leben mit Pflegedienst: Zimmergestaltung

schwesternecke__mobileUm Judiths Privatsphäre etwas zu schützen, ist ihr Bett mit Tüchern verhangen und die Schwestern haben nur den Blick auf den Monitor. Erst wenn dieser komische Werte anzeigt oder aus dem Bett untypische Geräusche kommen, geht die Schwester gucken.

Zur Ausstattung für die Schwestern ist in Judiths Zimmer:

  • Gemütlicher Sessel
  • Eigene Garderobe
  • Dimmbare Lampe
  • Ein „Knietablett“ auf dem sie schreiben können
  • Magnetleiste, an der wichtige Informationen oder der letzte Krankenhausbericht hängen
  • Regale für: Dokumentation, Judiths Krankenhaus-Ordner, Ordner für Lieferscheine, Fachbücher, aber auch „Schwesternunterhaltung“, z.B. Zeitschriften oder Bücher die die Schwestern gerne lesen
  • Ein iPod: morgens beim Versorgen hören Judith und die Schwester darauf Musik, für die Beschäftigung in der Nacht sind verschiedene Spiele darauf und von besonderen Situationen können Photos oder Videos gemacht werden
  • Eine Dose mit Süßigkeiten („versüßt die Nacht“)
  • Decke für den Winter
  • Büromaterial: Locher, Stifte, Lineal,…
  • Im Winter eine Kerze für mehr Gemütlichkeit

Das Zimmer mit diesen Dingen auszustatten ist nicht besonders aufwändig, ist für die Schwestern aber gut, da sie sich wohler fühlen und so ihre Arbeit noch lieber tun 🙂

Leben mit Pflegedienst: Die Qual der Wahl

Im Laufe der Zeit haben wir bereits drei Pflegedienste kennengelernt. Den allerersten nahmen wir, da er bundesweit Werbung machte, sich als kompetent in Sachen außerklinische Intensivpflege präsentierte und für die Pflegekasse günstig war. Da waren wir noch etwas naiv 😉
Wir wussten nicht, worauf zu achten ist und was einen guten Pflegedienst ausmacht…
Es stellte sich heraus, dass der Pflegedienst überwiegend Pflegekräfte einsetzte die noch nie vorher ein lungenkrankes Kleinkind betreut hatten (teilweise kettenrauchende Altenpfleger) und dadurch in vielen Situationen unsicher waren. Die Schwestern hatten auch wenig Kontrolle: die Pflegedienstleitung war für einen sehr großen Bereich zuständig, welchselte in unserer Zeit auch drei Mal und die sonstige Organisation wurde zentral organisiert. Nach einigen einschneidenden Erlebnissen war es an der Zeit, den Pflegedienst zu wechseln…

Durch den Kinderhospizdienst wurden wir auf einen örtlichen Kinderpflegedienst aufmerksam gemacht. Was für eine Wohltat war es, als die ersten Kinderkrankenschwestern kamen die zum einen kompetent, zum anderen liebevoll mit Judith umgingen. Zudem war der Kontakt zu den Pflegedienstleiterinnen sehr eng und so spielte sich alles sehr schnell ein.
Der Träger war eine große Hilfsorganisation und dementsprechend herzlich war die Pflege organisiert. Der Wechsel hatte sich gelohnt!

Dann zogen wir in eine andere Stadt und leider mussten wir dadurch erneut wechseln… Nun hatten wir mittlerweile einige Erfahrungen gesammelt und stellten  im Kennenlerngespräch gezielte Fragen:

  • Welche Berufsgruppen stellen Sie überwiegend ein?
  • Wie lange im Voraus müssen die Dienstzeiten abgesprochen werden?
  • Wie kurzfristig können wir Zeiten verschieben?
  • Wie wird die Einarbeitung organisiert?
  • Wie viele unterschiedliche Schwestern werden in einer Familie eingesetzt?
  • Wie werden die Schwestern auf den Einsatz vorbereitet?
  • Was passiert, wenn eine Schwester spontan ausfällt?
  • Wie gehen Sie mit groben Fehlverhalten Ihrer Mitarbeiter um?
  • Wie dokumentieren Sie?

Der Pflegedienst machte einen professionellen Eindruck und so wurde dieser unsere nächste Wahl. Der Eindruck hat sich bestätigt: die gegenseitige Anleitung funktioniert super gut untereinander. Die Dokumentation ist sehr gründlich so dass alle Arbeiten die anfallen, auch bedacht werden. Regelmäßig gibt es Berichte, so dass alle Schwestern auf dem aktuellen Stand sind. Auch die Kommunikation klappt ziemlich reibungslos. Puh!

Auch wenn jeder Pflegedienstwechsel ein kleines Abenteuer war, so ist es beide Male gut ausgegangen.

Mit jedem neuen Pflegedienst haben wir etwas dazu gelernt. So sagen wir jetzt z.B. gleich zu Anfang, dass wir auf Distanz Wert legen und immer beim „Sie“ bleiben werden, egal wie nett wir die Schwester finden. Weiterhin besprechen wir gleich zu Anfang unseren Wunsch auf Achtung der Privatsphäre, das ist für die meisten Schwestern jedoch eh selbstverständlich. Doch in der alten Wohnung teilten wir uns ein Bad und wir lernten dass es nicht einengend, sondern im Gegenteil hilfreich ist, sehr eindeutige Absprachen diesbezüglich zu treffen. Da wir umziehen mussten, konnten wir die Anwesenheit einer „fremden“ Person in der Wohnung mit berücksichtigen und beim Grundriss mit darauf achten dass Judiths und unser Bereich etwas voneinander getrennt sind.

Wir kennen auch Eltern, die den Pflegedienst mit ins Familienleben einbeziehen, aber so „intim“ möchten wir das nicht (auch wenn wir alle Schwestern sehr mögen!).

Wichtig ist es, sich vorher gut zu überlegen was man möchte und wo die persönliche Grenze erreicht ist und dies gut zu abzusprechen, dann wird das „Abenteuer Pflegedienst“ eine echte Entlastung fürs Familienleben!

Leben mit Pflegedienst: Wer bekommt Behandlungspflege?

Wie kommt man an einen Pflegedienst? Zunächst muss geklärt werden, ob der Bedarf an Behandlungspflege groß genug ist, um einen solchen Einsatz zu rechtfertigen. Es gibt einen Unterschied zwischen Grund- und Behandlungspflege. Grundpflege ist grob gesagt alles, was jeder Mensch bei sich selber tut, um durchs Leben zu kommen: Nahrungsaufnahme, laufen, sich waschen, sich bewegen, ….
Hierfür gibt es ab einem bestimmten Hilfebedarf am Tag eine Pflegestufe und wenn die Pflege durch eine Person im Haushalt gesichert ist, auch Pflegegeld. 

Behandlungspflege: Das sind medizinische Handgriffe, z.B.: Verbandswechsel, Krankenbeobachtung, Katheterisieren, Spritzen geben, absaugen, (Notfall-)Medikamente verabreichen, Atmung überwachen,…

Das wird alles zeitlich nicht in die Pflegestufe hineingerechnet, da diese Dinge –vereinfacht ausgedrückt- nicht zum „normalen“ Leben eines jeden dazugehören sondern eben ärztlich verordnete medizinische Dinge sind.
Viele Handgriffe (am besten alle) können auch die Eltern selber durchführen, allerdings gibt es eben auch Grenzen. So kann ich z.B. theoretisch auch selber eine Magensonde legen, allerdings habe ich nicht die Routine einer Krankenschwester und wenn es nach dem dritten Versuch nicht geklappt hat, bin ich sehr froh wenn die Schwester diese dann legt.
Oder eben die Versorgung in der Nacht: irgendwann brauchen auch wir mal eine Phase der Erholung und können nicht die ganze Nacht wach bleiben, da wir Judith ja auch tagsüber gut versorgen müssen. Also kommt an dieser Stelle der Pflegedienst zum Zug.

Hierzu muss eine ärztliche Verordnung vorliegen. Diese lässt man sich am besten im SPZ oder von einem Facharzt ausstellen, da niedergelassene Kinderärzte seltener mit diesem Thema zu tun haben. Nun wird die Verordnung unterschrieben und vom Pflegedienst zur Pflegekasse geschickt. Und wenn diese kein Veto einlegt, kann es auch schon losgehen. In vielen Fällen wird ein Stundenkontingent verordnet und man bespricht mit dem Pflegedienst, von wann bis wann die Versorgung notwendig ist. Wenn nur eine punktuelle Versorgung stattfindet (z.B. Insulin spritzen, Katheterisieren, Verband wechseln,…), kommt der Pflegedienst wie bei älteren Menschen kurz her, verrichtet seine Aufgabe und fährt wieder. Bei einer längeren Zeit begleitet der Pflegedienst denjenigen dorthin wo er grad ist: in die Schule, zur Arbeit oder auch mal in den Urlaub.

Leben mit Pflegedienst: Warum eigentlich?

Zunächst möchte ich auf die Frage „Warum eigentlich?“ näher eingehen.
Viele Menschen aus unserer Umgebung sind zunächst irritiert warum bei Judith jede Nacht jemand mit im Zimmer sitzt.
Nun, bei Judith sind nachts viele medizinische Handgriffe notwendig: so hat sie, da sie nachts zu flach atmet, eine sogenannte CPAP-Atemhilfe. Das ist ein Gerät das, einfach ausgedrückt, über einen Schlauch und eine Maske einen Druck in die Lunge gibt, damit diese „offen“ gehalten wird. So eine CPAP-Therapie muss gut überwacht werden; besonders schnell muss man z.B. sein, wenn Judith bricht. Dann muss die Maske ganz schnell abgemacht werden da sie sonst mit dem nächsten Atemzug das Erbrochene einatmet.
Oder: sie dreht sich und die Maske verrutscht und die ganze Luft geht an der Seite vorbei, oder sie dreht sich und der Schlauch fliegt gleich ganz ab. Dann muss die Schwester eingreifen. Möglichst noch, bevor der laute Alarm los geht…

In diesem Zusammenhang werden Judiths Werte mit einem Monitor überwacht. Diese behält die Schwester die ganze Nacht im Blick und interveniert gegebenenfalls: fällt die Sättigung zu sehr, schließt sie an das CPAP-Gerät noch die Sauerstoffzufuhr an und Judith bekommt zusätzlichen Sauerstoff. Zunächst versucht sie aber immer, durch eine andere Lagerung die Atmung zu erleichtern, das heißt, die Schwester ist immer einsatzbereit.

Weitere Handgriffe werden durch die Schwester in der Nacht durchgeführt: katheterisieren, Medikamentenkontrolle (regelmäßig gibt es z.B. eine Inventur um immer im Blick zu haben, welche Medikamente neu aufgefüllt werden müssen), Medikamentenvorbereitung, Gerätepflege, Dokumentation, …

Fakt ist: ohne Pflegedienst ginge es nicht! Wir sind sehr froh, dass es diese Möglichkeit gibt.

In den nächsten Beiträgen werde ich dann etwas dazu schreiben, „Wie“ es mit Pflegedienst geht: zum einen, wie man an einen Pflegedienst kommt, zum anderen, wie wir alle unser Leben mit einer fremden Person im Haus organisieren.