Archiv der Kategorie: was nicht passt wird passend gemacht

Unterwegs die Intimsphäre besser wahren

Wer uns kennt, weiß: wir sind gerne in der Natur unterwegs, teilweise über viele Stunden. Bei aller Vorkehrung kann es trotzdem passieren, dass unterwegs Pflegemaßnahmen durchgeführt werden müssen.

Nur: da wir die Intimsphäre wahren wollen, wird es schon etwas komplizierter. Eine abgelegene Parkbank, eine versteckte Waldhütte lässt sich ja meist noch finden, auch auf ner grünen Wiese lässt sich aus Fahrrädern, Anhänger, Taschen und co. ein einigermaßen abgeschotteter Pflegeplatz bauen. Und trotzdem bleibt das Restrisiko, dass jemand genau in diesem Augenblick vorbeiläuft und -da glotzen sowieso Standard ist- Dinge sieht, die nicht gesehen werden sollen.

Ein Foto zeigt am besten wie wir das lösen konnten; mit einem großen Tuch und zwei Wäscheklammern:

Kabel schützen

Wie so oft stand am Anfang ein Problem:

Dieses Kabel vom Monitor ist sehr in Bewegung und so kam es häufig zu Kabelbrüchen:

Ich fragte auf Twitter, ob jmd. eine Idee hätte, um das Kabel besser zu schützen. Und Twitter ist für solche Problemlagen eine Fundgrube! Schnell trudelten Vorschläge ein, z. B. behäkeln, Sugru, Feder vom Kugelschreiber drum, Schrumpfschlauch,… tolle Vorschläge!

Ich entschied mich schließlich für diese Lösung:

Das Umwickeln ist etwas friemelig und dauert…

Das Ergebnis kann sich sehen lassen und die Kabelummantelung erfüllt ihren Zweck. Bei starker Benutzung lösen sich die Enden manchmal oder schieben sich übereinander:

Wen das nicht stört, für den ist das eine gute Lösung!

Einige Pflegekräfte waren übrigens so angetan, dass sie sich auch so eine Umwicklung für ihre Handykabel gekauft haben 😉

Upcycling: DIY- waschbarer Schutzkittel

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Schwester Johanna vom Pflegedienst steht immer Modell, danke! 🙂

Nachdem zuerst die Mundschutze in den Apotheken knapp wurden, geht es nun mit den Schutzkitteln weiter… Hier könnte sich mittelfristig ein Engpass abzeichnen.
Grund genug, mich mal wieder an die Nähmaschine zu setzen (und auch mal was anderes als Mundschutze zu nähen) :

Hier ist die Skizze. Ihr dürft sie Euch ausdrücklich mit Rechtsklick speichern und mit Verweis auf diesen Blog gerne weiter verbreiten- und vielleicht dem Kinderhospiz einen kleinen Obulus als Dankeschön spenden!Schutzkittel das bewegte Leben wordpress

Ihr braucht:

  • alten Bettbezug (für’s erste Mal ist einer mit Linienmuster optimal!)
  • Paar Socken (Kindersocken oder Sportsocken, irgendwelche, die sich gut als Bündchen eignen)
  • zum zumachen entweder ein paar Schnürsenkel/ Bindeband oder Druckknöpfe

ACHTUNG: mir ist in der Skizze ein Fehler unterlaufen!
D könnt Ihr nach Belieben anschrägen, 12 cm sind zu wenig. Schaut einfach, wie viel gut wäre.

so gehts:

  1. Kittelteil einmal, Ärmel zwei mal aufzeichnen und mit Nahtzugabe ausschneiden. Auf den cm kommt es nicht an, aber so grob in etwa sollten die Maße hinkommen
  2. Ärmel: An Kante A zusammenlegen, an langer Seite auf links zusammen nähen, B und C bleiben offen!
  3. Sockenbund bis zur Hacke abschneiden
  4. mit Zickzack-Stick rundum an Kante B nähen, fertig ist das Ärmelbündchen
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  5. das Bündchen ist schon zur Hälfte angenäht
  6. Kittelteil: die Kanten D, E und F umnähen
  7. je die Kanten G und H auf links zusammen nähen
  8. Halsausschnitt (J) umnähen (wer begabt ist, kann ihn natürlich auch rund nähen!) img_8217
  9. Ärmel annähen: C auf i, die gerade Kante A nach oben ausrichten. Oben anfangen zu nähen. Sollte es von der Länge nicht ganz passen, unter der Achsel raffen bzw. Ausschnitt i noch größer schneiden img_8218
  10. Befestigung/ Verschluss anbringen: Entweder Druckknöpfe anbringen oder Bänder annähen. Der Schutzkittel entspricht einer großzügigen Größe L, das heißt, Ihr könntet durch Platzierung der unteren Bänder/Druckknöpfe noch eine Weitenregulierung einarbeiten.
  11. FERTIG!

P.S.: hier geht es zu den verschiedenen Mundschutz- Anleitungen

P.P.S: dieser Blog ist kostenlos, auch die anderen Anleitungen stelle ich kostenfrei zur Verfügung. Wenn Ihr Euren Dank zum Ausdruck bringen wollt, könnt Ihr dem Kinderhospiz Bärenherz in Leipzig eine kleine Spende mit dem Stichwort „Judith sagt danke“ zukommen lassen.

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Das hier war mein erster Versuch, allerdings habe ichden Halsausschnitt noch nicht gut gelöst und die Maße total vermasselt und der Kittel ist eine Größe S geworden. Sieht aber trotzdem tragbar aus und: Übung macht den Meister!

Halterung für den Vitaguard- Monitor

Der Monitor ist jede Nacht im Einsatz. Er zeigt an, ob Judith genug Sauerstoff bekommt oder ob sie evtl. etwas zusätzlich benötigt. Normalerweise hängt der Monitor mit dem Rücken zum Bett, so dass der Pflegedienst stets die Werte im Blick hat. Wenn Handlungsbedarf besteht bzw. wenn man am Bett steht, muss er zum Bett schauen. Es war ein Hin- und hergedrehe und wirklich schnell konnte man ihn im Bedarfsfall nicht drehen.

Kurzum: eine neue Herausforderung für meinen Mann 🙂

Er hat eine drehbare und winkelverstellbare Halterung gebaut:

Zum Nachbauen stelle ich Euch mal Fotos der Konstruktion zur Verfügung (nähere Fragen bitte direkt an ihn, mein Beitrag war lediglich, anerkennend zuzuschauen was er da zaubert…).

Ihr braucht:

  • Holz
  • Aluprofile
  • Schrauben
  • Ein Metalltischbein
  • Die Aufhängung eines Rades (daran kommt die Stange, damit sie sich um 360 Grad drehen kann)

Und wenn nachts der Vorhang quer durchs Zimmer gezogen wird, sieht das so aus:

Fahrbares Untergestell für Leckey Badeliege

Manche von Euch haben vielleicht schon gelesen, dass wir gerne unterwegs baden. Nun hat Judith mittlerweile ein Gewicht, das es nicht mehr zulässt, sie häufig ohne Lifter umzupositionieren. Die Badeliege kann sowohl in Sitzposition als auch in Liegeposition gebracht werden. Wir suchten also eine Möglichkeit, die Badeliege, ein Modell von Leckey/ Vida zu rollen.

Ein Besuch im Baumarkt und kreatives Rumspinnen brachte die Lösung!

Als Grundmodell kam ein „Transportroller für Euroboxen“ zum Einsatz. Auf diesen passt die Badeliege genau drauf.

Da die Badeliege mit Kind darauf etwas Gewicht mitbringt, musste sie mit Hilfe von Winkelblechen verstärkt werden. Dabei wurde mit Unterlegscheiben ein Abstandshalter gebastelt, so kann das Wasser abfliessen.

Damit die Badeliege nicht unbeabsichtigt raus rutscht, ist an den Längsseiten eine Sicherung:

In diese kann das Rohr der Liege eingeklemmt werden:

Ein herzliches Dankeschön an meinen Mann, der das auf so kreative Weise umgesetzt hat!

Low- Budget- Handschuh-Halterung

Eher mal aus der Not heraus ist diese einfache, aber sehr effektive Handschuh-Halterung entstanden. Und was soll ich sagen… die hält schon seit Jahren!

Ihr braucht:

  • Zwei Kabelbinder
  • Zwei gleich große etwas stabilere Gummibänder
  • Ein Gitter/eine Strebe/die Möglichkeit die Kabelbinder anzubringen

Auf den Fotos seht Ihr den Aufbau:

Krank durch die Schule? Unterrichtszeitverkürzung!

Judith ist mittlerweile in der fünften Klasse. Davor war sie vier Jahre im Kindergarten.

Das sind neun Winter, in denen viel passiert ist. Leider waren das meist äußerst unerfreuliche Ereignisse, sprich schwere Infekte, sehr schwere Erkrankungen. Weihnachten/Silvester hat sie inzwischen drei mal im Krankenhaus verbracht (nicht schön).

Woran liegt das? Nun, im Winter fliegen viele Keime umher. Und Judith hat einen Keim-Magneten. Im Winter ist dieser besonders aktiv. Außerdem reagiert sie auf zu großen Stress mit Krankheit. Das konnten wir in zahlreichen Urlauben mit Ortswechseln genau so beobachten wie bei Wechseln innerhalb ihres Pflegeteams, wenn wir unter Strom stehen, alle um sie herum nervös sind (und das sind vor Weihnachten viele Menschen!) genau so wie wenn ihre Tage sehr ausgefüllt sind. Sie wird dann schneller krank. Um nun schlimme Infekte irgendwie zu vermeiden, haben wir mit den Jahren mehrere Strategien entwickelt:

zum einen vermeiden wir im Winter Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Hier sind einfach zu viele Menschen auf zu engem Raum. Wenn es sich doch nicht vermeiden lässt, hat das Händedesinfektionsmittel seine große Stunde. Ja, ich bin eine „Sagrotan-Mutti“. Weil es nicht anders geht. Gründlich Hände desinfizieren und hoffen.

Weiterhin tut es Judith gut, nicht direkt von warm zu kalt und umgekehrt zu kommen. Ich lasse sie ein paar Minuten im Treppenhaus aklimatisieren. Auch das hilft.

Und dann reduzieren wir noch den Stress! Schon Frühförderin Nummer 2 meinte, für Judith wäre ein saisonaler Kindergartenbesuch gut. Damals liessen wir uns zunächst noch von den Vorgaben des Sozialamtes einschüchtern („6 Stunden täglich sind Pflicht!“), nach eindrücklichen Infekten wagten wir es dann und liessen sie über die Wintermonate zu Hause. Und siehe da: ein Winter ohne Krankenhaus!

Wie würde das nun in der Schule gehen? Die Frage erübrigte sich zunächst von selbst. In ihrem ersten SchulHALBjahr hatte Judith 65 krankheitsbedingte Fehltage. Wir besprachen offen mit der Schulleitung welche Möglichkeiten es gibt, eine gute Balance zu finden zwischen anstrengendem aber förderlichem Schulbesuch und Entspannung. Es gibt zwei Möglichkeiten, die wir nun seit mehreren Jahren einzeln oder auch kombiniert praktizieren:

– Judith geht an weniger Tagen in der Woche zur Schule

– Judith geht weniger Stunden pro Tag zur Schule.

Für jede dieser Lösungen (oder eine Kombination aus beiden) bedarf es eines schriftlichen Antrags auf Reduzierung der Unterrichtszeit. Gut ist auf jeden Fall, vorher mit Schulleitung und hauptverantwortlicher Lehrkraft den Umfang abzustecken.

Was ist notwendig? Was ist sinnvoll? Judith zum Beispiel kommt wirklich gar nicht an das Fach Kunst heran. Ein Ausklammern dieses Unterrichtes ist für sie kein großer Verlust an Lebensqualität (im Gegenteil ;-)). Dafür mag sie Sachunterricht sehr gerne. Auch: ist es sinnvoller wenn sie drei Tage am Stück geht oder sollte lieber ein Tag Erholung dazwischen liegen?

Für die stundenweise Verkürzung ist zu überlegen, welche Zeit sinnvoll und möglich ist. Judith wacht nachts häufig durch epileptische Anfälle auf. Den fehlenden Nachtschlaf holt sie am Vormittag nach. Auf wecken reagiert sie ebenfalls mit Krämpfen. Also ist das Beste, sie ausschlafen zu lassen. Aktuell beginnen ihre Schultage erst um halb zehn.

Weiterhin sollten dem Antrag aussagekräftige Arzt/Krankenhausberichte (davon haben wir mehr als genug :-/) beigelegt werden. Das geht dann zur Schulleitung und in Judiths Fall wurde das auch problemlos bewilligt.

Schon seit einigen Jahren praktizieren wir das vor allem in den Wintermonaten. Sie kann weiter zur Schule gehen, überfordert sich aber nicht. Tatsächlich ist sie auch an den Nachmittagen aufnahmefähiger, schläft nicht so viel. Die Fehltage gibt es leider trotzdem, aber nicht mehr so massiv. Und mit Freude stelle ich fest, dass es in diesem Winter noch keinen schweren Infekt gab!

Schutz der Wände

Das hier ist eine Türecke auf dem Weg ins Kinderzimmer. Trotz aller Vorsicht und Abpolsterung der Hilfsmittel fährt man doch immer wieder dagegen. Die Wände sahen ganz ähnlich aus. Um sie vor größerem Schaden zu bewahren, haben wir Bretter vorgeschraubt und in der Wandfarbe gestrichen:

Auch die Ecken sind besonders durch angeklebte Winkelbleche geschützt:

Gastbeitrag: Organisation im Pflegezimmer

Neulich war Familie Suckert bei uns. Schnell kam das Gespräch auf die Pflegezimmer-Organisation: wenn ein Kind einen hohen Pflegeaufwand hat, muss man sich ein System schaffen um alles unter zu bekommen. Hier stellt Familie Suckert ihres vor:

Von Jenni Suckert

Der ganze Arbeitsplatz ist unser alter Wickeltisch.

Für die einzelnen Pflegebereiche hab ich Kisten und farbige Nierenschalen.

So ist z.B. grün für die Spritzen.

Rot für die Hörgeräte

Blau zum Darmspülen

Und pink für die Stoma/Sondenpflege. Sämtliches dauerhafte benötigtes Pflegezubehör ist kompakt verpackt in einer Ikea Box

Die Ikea Boxen sind eine großartige Sache. In einer weiteren haben wir die Dauermedis (ohne Verpackung) griffbereit

Da unsere Maus noch ziemlich klein und dünn ist, passen ihr noch die Babywindeln. Somit fand ich dieses Wickelkörbchen aus dem Drogeriemarkt ne tolle Sache.

Danke Jenni für diesen Einblick!