Archiv der Kategorie: Leben mit Pflegedienst

Übergaben zwischen dem Pflegegedienst untereinander und zu Eltern

eine entspannte Nacht!

…Ein etwas sperriger Titel…

Worum geht’s also?
Der Pflegedienst ist einen Großteil des Tages anwesend. In dieser Zeit passiert so einiges. Wenn dann Schichtwechsel ist oder die Pflegekraft nach einer Nachtschicht in den wohlverdienten Feierabend geht, erfolgt eine Übergabe. Wichtige Informationen müssen übergeben werden, z.B.: gab es Auffälligkeiten? Mussten Bedarfsmedikamente verabreicht werden? Ist etwas neu, z.B. neue Pflegemaßnahmen oder wird ein Medikament nur für einige Tage (anders) gegeben? Sind noch irgendwelche Dinge offen geblieben? Stehen z.B. tagsüber Termine wie Therapien an oder wurden spontan Zeiten verschoben?

Ihr merkt, das sind viele Informationen. Lange Zeit war es so, dass die Übergabe entweder aus dem Kopf oder mit klein beschriebenen Notizzetteln erfolgte. Dabei rutschten durch die Masse immer mal Informationen durch oder beim erzählen konnte man doch nicht alles aufnehmen. Daher haben wir einen Übergabezettel eingeführt.

Hier sind alle relevanten Aspekte der letzten Stunden erwähnt: Wie war die Sättigung/ Herzfrequenz in meinem Dienst? War etwas besonderes? Stuhlgang? Anfälle? Bedarfsmedikamente? Gibt es etwas neues? Oder etwas, was in den nächsten Stunden dringend beachtet werden sollte?
All solche Dinge!

Natürlich kann und wird das Pflegepersonal das auch alles in der Akte nachblättern, aber für einen schnellen Überblick hat sich dieser Zettel echt bewährt. Auch für uns, die wir Judith an Wochenenden immer um kurz vor sieben (teils noch sehr verschlafen) übernehmen ist das Übergabeprotokoll sehr hilfreich.

Der Zettel ist vorne und hinten bedruckt und einlaminiert. Alles wird mit einem abwischbaren Folienstift notiert, es muss ja nur kurze Zeit halten. Wichtigere Dinge, die für ein paar Tage sichtbar sein sollten, werden mit Edding notiert und später mit Desinfektionsmittel weggewischt.

Hier ( Übergabe ) könnt Ihr Euch den Übergabezettel runterladen und entsprechend an Eure individuelle Situation anpassen.

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Ein typischer Tag…

Oft sagen Leute: „also, ein Leben mit behindertem Kind kann ich mir nicht vorstellen.“ Gerne helfe ich der Vorstellungskraft auf die Sprünge 🙂

Für den Blog 22monate.de wurde ich gebeten, einen typischen Tagesablauf zu skizzieren. Hierbei liegt der Fokus sehr auf „wie beeinflusst die Pflege meinen Tagesablauf und wie ist das so mit anwesendem Pflegedienst“. Nicht immer läuft es genau so ab; mal übernehme ich mehr, mal der Pflegedienst. Mal geht es Judith besser, mal schlechter. Mal gibt es Termine, mal ist es ein ruhiger Tag. Aber im großen und ganzen ist das hier ein typischer Tag:

Zwischen halb sechs und um sechs stehe ich auf. Ich dusche. Dann klingelt es schon bald und der Frühdienst kommt um halb sieben. Gemeinsam hören wir, was der Nachtdienst von der Nacht berichtet: hat Judith ruhig geschlafen? Nein? Wie oft war sie wach? Waren Anfälle zu beobachten? Wie war die Herzfrequenz, die Sättigung? Wie ist der Keton-Wert? Ist der Urin auffällig? Gab es sonst noch Auffälligkeiten?
Dann verabschiedet sich der Nachtdienst und ich bespreche mit dem Frühdienst Wichtiges für Judiths Tag. An drei Tagen in der Woche geht sie ab zehn Uhr in die Schule, die anderen Tage bleibt sie zu Hause, hat dann Therapien oder Hilfsmittel-Anpassungen oder Arzttermine. Das ist ein gutes Mittelmaß für sie. Die Schulleitung, die ihre gesundheitliche Situation kennt, hat den Antrag auf Schulzeitverkürzung sofort bewilligt. Dann gehe ich in die Küche und bereite für uns drei das Frühstück vor. Für Judith muss das Essen nach einem speziellen Diätplan erstellt werden, das heißt, ich wiege jede einzelne Zutat ab. Ein paar Minuten setze ich mich zu meinem Mann, wir reden über den Tag. Dann geht er zur Arbeit und ich ins Kinderzimmer. Ich begrüße Judith. Ganz behutsam muss ich dabei sein, denn ihre Epilepsie wird ausgelöst, wenn sie mich plötzlich erblickt, sich stark freut oder viel nachdenkt. Wir halten unsere Hände, ich streichle sie, sie streichelt zurück. Dann machen die Tagdienstpflegekraft und ich den Rest der Morgenpflege: acht Medikamente und Flüssigkeit mit Spritzen über die PEG-Sonde geben, Blasenspülung über den Nachtkatheter,  Nachtkatheter entfernen, PEG-Pflege, anziehen: den stützenden orthopädischen Anzug zuerst, dann die restliche Kleidung. Zum Schluss die Orthesen an die Füsse. Derweil bereitet der andere alles nach: Spritzen auswaschen, Müll entsorgen, benutzte Flächen reinigen, angebrochene Medikamente kennzeichnen. Wenn Judith dann in ihrem Therapiestuhl sitzt, bekommt sie die Morgeninhalation, danach wird das Sekret mit einem Hustenassistenten gelockert. Das ist ein Gerät, das über eine Maske erst Luft in die Lunge pustet und sie dann ähnlich wie beim Husten mit Schwung rauszieht. Da Judith nicht so kraftvoll husten kann, unterstützt sie das Gerät. Dann geht es in die Küche. Die Pflegekraft, Judith und ich frühstücken. Dann helfe ich oft mit, Judith für die Schule startklar zu machen, das heißt: in den Rollstuhl setzen (mit Lifter oder über den Schoß), Jacke, Handschuhe, Mütze anziehen, Medikamente einpacken, ketogenes Mittagessen mitgeben, etwas auf ihren Step-By-Step sprechen. Das ist ein großer Knopf, mit dem Judith in der Schule berichten kann was bei ihr so los war. 
Wenn Judith aus dem Haus ist, habe ich unterschiedliches zu tun. Zwei Vormittage in der Woche arbeite ich. Oder ich erledige die Korrespondenz: neue Medikamente und Verbrauchsmaterialien bestellen, Telefonate mit der Krankenkasse (irgendwas ist immer zu klären...), Terminabsprachen mit Therapeuten oder Versorgern. Ein mal in der Woche kommt meine Freundin. Gemeinsam kochen wir für Judith für eine Woche vor. Am Tag zuvor errechne ich neue Rezepte und gehe die Zutaten einkaufen. 
Um 14 Uhr klingelt es und Judith ist aus der Schule zurück. Ich lese, was mir die Lehrer ins Heft geschrieben haben. Dann fordere ich Judith auf, mir über ihren Step-By-Step von ihrem Tag zu berichten. Zum Schluss berichtet die Tagdienstkraft, was aus ihrer Sicht wichtiges in der Schule war: hat Judith geschlafen? Wie war die Sättigung? Wie viele Anfälle hatte sie in welcher Situation? Wie war ihre Stimmung? Wie ist die Ausscheidung? Ging die Nahrungsaufnahme oder hat sie sich verschluckt?
Dann verabschieden wir den Frühdienst. Ich katheterisiere Judith und gebe ihr Flüssigkeit und Medikamente. Wir kuscheln kurz und ich bringe sie ins Wohnzimmer. Dort transferiere ich sie in ihren „Innowalk“, das ist eine Art Stehtrainer, bei dem gleichzeitig die Beine durchbewegt werden. Ich gebe Judith etwas zu spielen und beobachte, wie lange sie es aushält. Dann hole ich sie raus, mit Lifter oder über meinen Schoß. Nun kann Judith spielen. Im Wohnzimmer hat sie Spielzeugkisten und jede Menge Bücher. Möchte sie alleine spielen? Oder mit mir? Ich versuche, mindestens eine Sache mit ihr am Nachmittag zusammen zu machen: ein Buch lesen, das Angelspiel, ihre Postkarten ansehen, etwas auf dem ipad spielen oder auch einfach nur schweigsam mit ihr die Zeit auf dem Boden zu verbringen. Manchmal gehen wir auch noch mal zusammen raus: in die Apotheke, etwas einkaufen oder sie dreht eine Runde mit ihrem Therapiefahrrad. Spätestens alle zwei Tage dusche ich sie. 
Dann bereite ich ihr und unser Abendessen zu. Am Wochenende, wenn der Nachtdienst später kommt, bereite ich alles für die Abendpflege vor: Medikamente in die Sonden-Spritzen füllen, Befeuchter für das Beatmungsgerät vorbereiten, alles für die PEG-Pflege zurecht legen, alles zum legen des Nachtkatheters und die Blasenspülung vorbereiten. Dann gibt es Abendessen. Um sechs Uhr kommt mein Mann nach Hause. Wir sitzen am Abendbrot-Tisch und erzählen vom Tag. Judith hat einen Wochenplan mit Symbolen. Wir besprechen, was heute war und was morgen sein wird, zeigen ihr die Bilder und kletten sie an die Wand. Dann kommt der Nachtdienst. Mein Mann putzt Judith die Zähne. Ich fahre sie ins Kinderzimmer. Wir begrüßen die Nachtdienst-Pflegekraft. Diese bereitet noch den Rest vor. Ich inhaliere Judith, parallel bekommt sie ihre Medikamente über die Magensonde. Dann ist Kuschelzeit: ich nehme sie auf den Schoß, Judith legt ihren Kopf auf meine Schulter. So sitzen wir schweigend, jeder hängt seinen Gedanken nach. Die Pflegekraft ist derweil mit Spritzen auswaschen, Akte schreiben etc. befasst. Irgendwann signalisiert Judith dann, dass sie ins Bett will. Ich lege sie hinein. Die Pflegekraft reinigt die Haut um die PEG und legt eine neue Kompresse auf. Ich bereite alles zum Katheter legen vor. Dann lege ich den Dauerkatheter, die Pflegekraft reicht mir Dinge an, passt auf, dass Judith ihre Füße ruhig hält damit ich konzentriert arbeiten kann. Dann führt die Pflegekraft die Blasenspülung durch. Einer von uns räumt alles auf. Mein Mann kommt, um Judith eine gute Nacht zu wünschen. Die Pflegekraft zieht den Lichtschutz-Vorhang zu, der quer durch ihr Zimmer geht. Er schützt Judith nachts etwas mehr vor dem Licht der Pflegedienst-Leute. Die Pflegekraft setzt die Beatmungsmaske auf und macht den Monitor, der Herzfrequenz und Sättigung überwacht, an. Sie zieht sich zurück, hat aber den Monitor, der auf der anderen Seite des Vorhangs hängt, im Blick. Ich erzähle Judith vom Tag, singe evtl. noch ein Lied oder lese etwas vor. Ich streichle ihre Hand und es dauert meist nicht lange, bis sie schläft. 
Ich nehme das Schul-Heft und schreibe wichtiges für die Lehrer ein. Dann gehe ich in die Küche und hole das Essen für den nächsten Tag aus der Tiefkühltruhe. Bevor ich schlafen gehe, gehe ich noch einmal ins Kinderzimmer und frage ob alles in Ordnung ist.

Wartungsfreie Notfallklingel

Immer wieder gibt es Situationen, in denen uns der Pflegedienst schnell dazurufen muss aber nicht vom Bett weg kann. Klassisches rufen ist nicht so effektiv: verängstigt das Kind und evtl. hören wir es nicht. Der erste Versuch mit einer Funkklingel scheiterte: abwechselnd gingen die Batterien von Sender und Empfänger leer, üblicherweise genau in brenzligen Situationen.

Dann kam die wartungsfreie Klingel: der Sender holt sich die benötigte Energie aus dem Drückvorgang. Der Empfänger wird in die Steckdose gesteckt. Wir haben sie bei Conrad erworben.

sie heißt offiziell: Sygonix 1417379 Funkklingel Komplettset Batterielos.

Mediplan Vorlage

Mediplan Vorlage

Heute stelle ich Euch eine Möglichkeit vor, den Pflegealltag für alle nachvollziehbar zu machen. Wie oft sitzt man beim Arzt, beim Pflegedienst, im Kinderhospiz und wird nach Medikamenten, Katheterisierungszeiten und Pflegemaßnahmen gefragt…

Hierfür haben wir eine eigene Vorlage erstellt, die fortlaufend aktualisiert wird.
Darin enthalten:
Medikamente, Bedarfsmedikamente, Inhalationszeiten, Katheterisierungszeiten, Zeiten für weitere Pflege (wie oft Stomapflege, womit,…), Sondenernährungsplan, allgemeine Hinweise (wie viele Medi-Spritzen sind im Einsatz? Wann werden sie gewechselt, Tipps damit das Kind gut kooperiert,…),…
Diese lassen wir regelmäßig vom Arzt unterschreiben und kopieren sie für den Notfallrucksack am Rollstuhl und für einen Aushang im Bad, wo die Medikamente gestellt werden.

Wenn die Liste einmal angefertigt ist, kann sie fortlaufend aktualisiert werden. Bei häufigen Änderungen empfiehlt es sich, „Stand vom…“ mit drauf zu vermerken.

Im Anhang findet Ihr die Blanko-Liste. Kopiert Euch passende Zeilen, löscht unpassende raus, schreibt ein, entwickelt sie weiter,…

Über Rückmeldungen oder andere Vorlagen freue ich mich!

Mediplan Vorlage

Anleitung ausführlicher medizinischer Überblick

Immer wieder muss man mit seinem Kind verschiedenste Einrichtungen aufsuchen, hat mit Fachleuten zu tun,… und alle stellen oft die gleichen Fragen:

  • welche Diagnosen gibt es?
  • Welche Medikamente nimmt ihr Kind?
  • gibt es Allergien?
  • Welche Hilfsmittel nutzt es?

Oder: Eine neue Pflegedienstkraft wird eingearbeitet und sie interessiert natürlich:

  • welche Besonderheiten sind zu beachten?
  • wie ist der Tagesablauf?
  • Welche Notfallsituationen können auftreten?

Mein Kind ist ziemlich „komplex“, also viele Dinge sind zu beachten, zu erzählen, zu erwähnen, …
Zu viele, als dass ich Lust habe, diese Punkte im Schnitt 1-10 mal im Monat zu erzählen. Daher habe ich einen „ausführlichen medizinischen Überblick“ entwickelt. Hier steht wirklich ALLES drin. Wenn jemand mein Kind auf der Straße finden würde und den Überblick aufmerksam liest, kämen die beiden danach vermutlich ziemlich gut durch den Tag 😉
Ziel ist, dass z.B. Krankenhauspersonal über die wichtigsten Dinge Bescheid weiß (z.B. wann Beatmung, wann wird katheterisiert,…) und Ärzte Diagnosen und Medikamente schnell nachschlagen können.
Ich habe Euch mal eine Anleitung erstellt, wie so ein medizinischer Überblick aussehen könnte, was darin stehen sollte, wie die Gliederung aussehen könnte. Das Dokument ist ausdrücklich zur eigenen Nutzung und Weiterverarbeitung frei gegeben! Gerne freue ich mich auch über emails (dasbewegteleben [ a t ] g m x . d e) in denen ihr Eure Gliederung vorstellen könnt, ich lerne auch gerne dazu!Anleitung für einen ausführlichen medizinischen Überblick

CPAP-Gerät Elisée 150

Elisee 150Das war Judiths erstes CPAP-Gerät, da es im CPAP-Modus auch für kleine Kinder gut geeignet ist. Die Elisée kann mehrere Beatmungsformen, wer genaueres wissen möchte, möge sich bei ResMed direkt informieren, hier gibt es auch einen Link zur Bedienungsanleitung und einiges mehr.

Da dieses Gerät wie gesagt recht viel kann, ist es auch recht komplex. Es hat ein Touch-Display und gewisse Einstellungen kann man auch im gesperrten Modus durchführen. Das führte jedoch dazu, dass Schwestern manchmal versehentlich die Alarm-Lautstärke verstellten- mitten in der Nacht kam dann auch manchmal ein ohrenbetäubender Alarm aus dem Kinderzimmer und alle, inklusive der Nachbarn, waren wieder wach :-/

Regelmäßig musste ein Schlauchwechsel und -Test durchgeführt werden. Dieser war gefürchtet, da man ihn recht schnell durchführen muss (mir berichtete mal eine Schwester, dass sie einen Alptraum davon hatte…). Es gibt Doppel- und Einschlauch-Systeme mit jeweils verschiedenen Adaptern am Gerät. Zunächst hatte Judith ein Doppelschlauchsystem. Doch irgendwann gab es jede Menge nicht-nachvollziehbare Fehlalarme die nur dadurch behoben werden konnten, dass wir auch ein Einschlauch-System wechselten… Kurios, aber seitdem war es wieder besser.

Alarme sind so ein Thema: Das Gerät ist recht sensibel und sobald z.B. die Maske nur ein kleines Stückchen verrutscht, gibt es einen Alarm. Dies, und weil bei „nur CPAP“ auch andere Geräte ausreichen, war der Anlass nachdem Judith größer war, auf ein anderes CPAP-Gerät umzusteigen.

Da der Schlauchtest für manche Schwestern eine sehr hohe Hürde war, haben wir eine Anleitung für den Schlauchtest (Einschlauch-System, das entgegen der Bezeichnung aber aus vier Schläuchen besteht…) erstellt, die ich hier gerne zur Verfügung stelle. Es ist weiterhin eine kurze Anleitung für den Aeroneb enthalten:
Aufbau Inhaliergerät u Einschlauchsystem Schlauchtest u Wechsel

CPAP: Gewöhnung an die Maske

…Parallel zur Pflegedienstsuche begann die Gewöhnung an die CPAP-Maske. Und Judith hatte doch schon mit der Sauerstoffbrille arge Schwierigkeiten…
Von der Firma bekam sie frühzeitig eine „Übungs-Maske“. Diese setzten wir ihr tagsüber immer wieder -ganz kurz- auf. Dann übten wir Abends weiter: in das Abendritual wurde eingebunden dass wir ihr zu einem bestimmten Zeitpunkt die Maske aufsetzen. Diese blieb zu Anfang keine 10 Sekunden drauf, so groß war Judiths Abwehr. Tag für Tag konnten wir es ganz langsam steigern bis sie es so nach etwa sechs Wochen schaffte, die Maske immerhin für fünf Minuten zu tolerieren…

Dann war es auch schon Zeit für das Schlaflabor: die Versorgungsfirma kam dazu, es gab für alle Beteiligten eine Einweisung ins Gerät und nach zwei Nächten Anpassung ging es -mit nächtlicher Pflegedienstversorgung- wieder nach Hause.

Für Judith begann nun eine richtig anstrengende Zeit. Um sich an das CPAP gewöhnen zu können, warfen wir alle erreichten Ziele (Judith schlief zu diesem Zeitpunkt alleine ein: nach dem Gute-Nacht-Ritual gingen wir aus dem Zimmer, sie legte sich auf die Seite und schlief irgendwann ein) über Bord und fingen wieder von vorne an…

Obwohl sie bereits vier Jahre alt war, durfte sie wieder auf unserem Arm einschlafen, diesmal aber eben bitte mit Maske auf der Nase. Das war für alle Seiten sehr sehr nervenaufreibend. Nach etwa einem halben Jahr riss sie sich schon weniger runter und wir begannen den nächsten Schritt: Einschlafen im Bett, mit Maske. Auch hierbei musste immer einer bis zum Einschlafen neben dem Bett stehen bleiben. So langsam wurden auch die Nächte etwas entspannter, Judith verstand, dass „Maske-abmachen“ der Job der Schwester oder von uns ist und nicht von ihr 😉

Trotzdem brauchte sie auch nachts immer wieder kurze Pausen um sich zu beruhigen. Mit der Zeit aber spielte sich alles ein, Erleichterung brachte wohl auch das abkleben der Maske.

Heute ist es so, dass das Maske-anlegen selbstverständlich zum Abendritual dazu gehört, sie hebt sogar den Kopf mit an so dass das anlegen leichter geht. Seltener bekommt sie nen „Rappel“ und reisst sich die Maske noch selber runter, dann machen wir eine kurze CPAP-Pause bis sie sich beruhigt hat und dann geht das wieder-anlegen auch sehr gut. Meist hat das runterreissen aber auch eine Botschaft: Judith zeigt auf diese Weise, dass ihr übel ist, dass etwas drückt oder auch, dass sie jetzt mal ne Runde Körperkontakt und eine Kuscheleinheit braucht.
Wenn sie wach wird, wartet sie inzwischen meist, bis ihr einer die Maske abnimmt. Dann setzt sie sich mit Schlauch dran hin und guckt durch die Gegend 🙂

CPAP-Atemunterstützung: Allgemeines

CPAP-GerätHier nur zunächst ein kurzer Überblick. Dass Judith im Schlaf zu flach atmet, erwähnte ich ja bereits an anderer Stelle. Deshalb war zunächst der Versuch, sie mit einer kontinuierlichen Sauerstoffgabe zu unterstützen. Nach einigem Ausprobieren und Untersuchungen im Schlaflabor empfahl man uns dann aber doch, mit dem CPAP zu beginnen. Wer sich näher mit dem Thema befassen möchte, dem sei der Wikipedia-Artikel hierzu empfohlen.

Wir hatten ordentlich Respekt vor diesem Schritt: zum einen vermuteten wir, dass Judith große Akzeptanzprobleme haben würde, zum anderen war klar, dass wir das alleine nicht mehr abdecken können. Schon die nächtliche Sauerstoffgabe war schwierig umzusetzen (ein paar Beispiele: einmal verschliefen wir einen fünf-minütigen Sättigungsabfall- Alarm komplett, ein anderes mal kamen wir morgens ins Zimmer und Judith lag, mit dem Sauerstoffschlauch um den Hals und das ganze auf Spannung im Bett; hätte sie sich noch ein kleines Stück weiter bewegt, hätte sie sich stranguliert,…) von daher würde mit dem CPAP-Gerät auch ein Pflegedienst mit dazu kommen…
Allerdings gab es im Grunde keine andere Wahl, so dass wir das CPAP-Abenteuer starteten.

Leben mit Pflegedienst: Zimmergestaltung

schwesternecke__mobileUm Judiths Privatsphäre etwas zu schützen, ist ihr Bett mit Tüchern verhangen und die Schwestern haben nur den Blick auf den Monitor. Erst wenn dieser komische Werte anzeigt oder aus dem Bett untypische Geräusche kommen, geht die Schwester gucken.

Zur Ausstattung für die Schwestern ist in Judiths Zimmer:

  • Gemütlicher Sessel
  • Eigene Garderobe
  • Dimmbare Lampe
  • Ein „Knietablett“ auf dem sie schreiben können
  • Magnetleiste, an der wichtige Informationen oder der letzte Krankenhausbericht hängen
  • Regale für: Dokumentation, Judiths Krankenhaus-Ordner, Ordner für Lieferscheine, Fachbücher, aber auch „Schwesternunterhaltung“, z.B. Zeitschriften oder Bücher die die Schwestern gerne lesen
  • Ein iPod: morgens beim Versorgen hören Judith und die Schwester darauf Musik, für die Beschäftigung in der Nacht sind verschiedene Spiele darauf und von besonderen Situationen können Photos oder Videos gemacht werden
  • Eine Dose mit Süßigkeiten („versüßt die Nacht“)
  • Decke für den Winter
  • Büromaterial: Locher, Stifte, Lineal,…
  • Im Winter eine Kerze für mehr Gemütlichkeit

Das Zimmer mit diesen Dingen auszustatten ist nicht besonders aufwändig, ist für die Schwestern aber gut, da sie sich wohler fühlen und so ihre Arbeit noch lieber tun 🙂

Leben mit Pflegedienst: Die Qual der Wahl

Im Laufe der Zeit haben wir bereits drei Pflegedienste kennengelernt. Den allerersten nahmen wir, da er bundesweit Werbung machte, sich als kompetent in Sachen außerklinische Intensivpflege präsentierte und für die Pflegekasse günstig war. Da waren wir noch etwas naiv 😉
Wir wussten nicht, worauf zu achten ist und was einen guten Pflegedienst ausmacht…
Es stellte sich heraus, dass der Pflegedienst überwiegend Pflegekräfte einsetzte die noch nie vorher ein lungenkrankes Kleinkind betreut hatten (teilweise kettenrauchende Altenpfleger) und dadurch in vielen Situationen unsicher waren. Die Schwestern hatten auch wenig Kontrolle: die Pflegedienstleitung war für einen sehr großen Bereich zuständig, welchselte in unserer Zeit auch drei Mal und die sonstige Organisation wurde zentral organisiert. Nach einigen einschneidenden Erlebnissen war es an der Zeit, den Pflegedienst zu wechseln…

Durch den Kinderhospizdienst wurden wir auf einen örtlichen Kinderpflegedienst aufmerksam gemacht. Was für eine Wohltat war es, als die ersten Kinderkrankenschwestern kamen die zum einen kompetent, zum anderen liebevoll mit Judith umgingen. Zudem war der Kontakt zu den Pflegedienstleiterinnen sehr eng und so spielte sich alles sehr schnell ein.
Der Träger war eine große Hilfsorganisation und dementsprechend herzlich war die Pflege organisiert. Der Wechsel hatte sich gelohnt!

Dann zogen wir in eine andere Stadt und leider mussten wir dadurch erneut wechseln… Nun hatten wir mittlerweile einige Erfahrungen gesammelt und stellten  im Kennenlerngespräch gezielte Fragen:

  • Welche Berufsgruppen stellen Sie überwiegend ein?
  • Wie lange im Voraus müssen die Dienstzeiten abgesprochen werden?
  • Wie kurzfristig können wir Zeiten verschieben?
  • Wie wird die Einarbeitung organisiert?
  • Wie viele unterschiedliche Schwestern werden in einer Familie eingesetzt?
  • Wie werden die Schwestern auf den Einsatz vorbereitet?
  • Was passiert, wenn eine Schwester spontan ausfällt?
  • Wie gehen Sie mit groben Fehlverhalten Ihrer Mitarbeiter um?
  • Wie dokumentieren Sie?

Der Pflegedienst machte einen professionellen Eindruck und so wurde dieser unsere nächste Wahl. Der Eindruck hat sich bestätigt: die gegenseitige Anleitung funktioniert super gut untereinander. Die Dokumentation ist sehr gründlich so dass alle Arbeiten die anfallen, auch bedacht werden. Regelmäßig gibt es Berichte, so dass alle Schwestern auf dem aktuellen Stand sind. Auch die Kommunikation klappt ziemlich reibungslos. Puh!

Auch wenn jeder Pflegedienstwechsel ein kleines Abenteuer war, so ist es beide Male gut ausgegangen.

Mit jedem neuen Pflegedienst haben wir etwas dazu gelernt. So sagen wir jetzt z.B. gleich zu Anfang, dass wir auf Distanz Wert legen und immer beim „Sie“ bleiben werden, egal wie nett wir die Schwester finden. Weiterhin besprechen wir gleich zu Anfang unseren Wunsch auf Achtung der Privatsphäre, das ist für die meisten Schwestern jedoch eh selbstverständlich. Doch in der alten Wohnung teilten wir uns ein Bad und wir lernten dass es nicht einengend, sondern im Gegenteil hilfreich ist, sehr eindeutige Absprachen diesbezüglich zu treffen. Da wir umziehen mussten, konnten wir die Anwesenheit einer „fremden“ Person in der Wohnung mit berücksichtigen und beim Grundriss mit darauf achten dass Judiths und unser Bereich etwas voneinander getrennt sind.

Wir kennen auch Eltern, die den Pflegedienst mit ins Familienleben einbeziehen, aber so „intim“ möchten wir das nicht (auch wenn wir alle Schwestern sehr mögen!).

Wichtig ist es, sich vorher gut zu überlegen was man möchte und wo die persönliche Grenze erreicht ist und dies gut zu abzusprechen, dann wird das „Abenteuer Pflegedienst“ eine echte Entlastung fürs Familienleben!