Archiv der Kategorie: Pflege-Zimmer

Unterstützte Kommunikation nutzt auch Pflegenden

Ich muss etwas ausholen:

Judith hat viele Menschen um sich herum. Und jeder dieser Menschen bekommt einen Ausschnitt ihres Alltages mit. Ein Beispiel:

Sonntag: früh Übernahme von Pflegefachkraft (PFK) A., Übergabe an Mama (M). Tag mit Mama und Papa. Abends Übergabe an PFK B.

Montag: PFK B. übergibt an PFK C., die den Frühdienst macht. Nachmittags Übergabe an Mama, die hat noch einen Termin, übergibt an Verhinderungspflege D. D. übergibt abends an PFK B.

Dienstags: PFK B übergibt an PFK E., diese übergibt später an Papa. Mama kommt auch hinzu und fragt: „wann hatte Judith eigentlich zuletzt Stuhlgang!?“

In der Vergangenheit stellte uns diese banale Frage dann oft vor ein Rätsel. Klar, wir könnten in der Akte nachblättern. Oder alle Beteiligten fragen. Die Erfahrung zeigt, dass Infos durchrutschen können, vor allem die Frage nach dem letzten Stuhlgang oder wann das duschen mal wieder dran wäre. Und damit alle Beteiligten einen Überblick behalten, gibt es jetzt auch einen Wochenplan für die Pflege. Das Symbol ist schnell umgeklettet und alle sind informiert:

Und da sich mir auch regelmäßig die Frage stellt wann eigentlich der letzte Buttonwechsel war, habe ich das auch mit aufgeschrieben (unten rechts).

Vorlagen für den Wochenplan gibt es hier, eine Beschreibung von Judiths Wochenplan hier und ein Beispiel wie es sortiert werden kann hier.

Kabel schützen

Wie so oft stand am Anfang ein Problem:

Dieses Kabel vom Monitor ist sehr in Bewegung und so kam es häufig zu Kabelbrüchen:

Ich fragte auf Twitter, ob jmd. eine Idee hätte, um das Kabel besser zu schützen. Und Twitter ist für solche Problemlagen eine Fundgrube! Schnell trudelten Vorschläge ein, z. B. behäkeln, Sugru, Feder vom Kugelschreiber drum, Schrumpfschlauch,… tolle Vorschläge!

Ich entschied mich schließlich für diese Lösung:

Das Umwickeln ist etwas friemelig und dauert…

Das Ergebnis kann sich sehen lassen und die Kabelummantelung erfüllt ihren Zweck. Bei starker Benutzung lösen sich die Enden manchmal oder schieben sich übereinander:

Wen das nicht stört, für den ist das eine gute Lösung!

Einige Pflegekräfte waren übrigens so angetan, dass sie sich auch so eine Umwicklung für ihre Handykabel gekauft haben 😉

Halterung für den Vitaguard- Monitor

Der Monitor ist jede Nacht im Einsatz. Er zeigt an, ob Judith genug Sauerstoff bekommt oder ob sie evtl. etwas zusätzlich benötigt. Normalerweise hängt der Monitor mit dem Rücken zum Bett, so dass der Pflegedienst stets die Werte im Blick hat. Wenn Handlungsbedarf besteht bzw. wenn man am Bett steht, muss er zum Bett schauen. Es war ein Hin- und hergedrehe und wirklich schnell konnte man ihn im Bedarfsfall nicht drehen.

Kurzum: eine neue Herausforderung für meinen Mann 🙂

Er hat eine drehbare und winkelverstellbare Halterung gebaut:

Zum Nachbauen stelle ich Euch mal Fotos der Konstruktion zur Verfügung (nähere Fragen bitte direkt an ihn, mein Beitrag war lediglich, anerkennend zuzuschauen was er da zaubert…).

Ihr braucht:

  • Holz
  • Aluprofile
  • Schrauben
  • Ein Metalltischbein
  • Die Aufhängung eines Rades (daran kommt die Stange, damit sie sich um 360 Grad drehen kann)

Und wenn nachts der Vorhang quer durchs Zimmer gezogen wird, sieht das so aus:

Low- Budget- Handschuh-Halterung

Eher mal aus der Not heraus ist diese einfache, aber sehr effektive Handschuh-Halterung entstanden. Und was soll ich sagen… die hält schon seit Jahren!

Ihr braucht:

  • Zwei Kabelbinder
  • Zwei gleich große etwas stabilere Gummibänder
  • Ein Gitter/eine Strebe/die Möglichkeit die Kabelbinder anzubringen

Auf den Fotos seht Ihr den Aufbau:

Zeigt her Eure Pflegezimmer: Gastbeitrag von Yvonne

Heute stelle ich Euch die Ideen von Yvonne vor. Sie ist meinem Aufruf nach Gastbeiträgen gefolgt und hat Fotos und Beschreibungen ihrer Pflege-Organisation geschickt. Yvonne hat auch einen Blog und schreibt schwerpunktmäßig über selbsthergestellte Sondennahrung für ihre Tochter Katharina.

Nun zu ihrem Beitrag:

In der Küche haben wir dieses kleine Kastl für die vorbereitete Medizin, bzw. Spülspritzen tagsüber und ein Fach ist für Stöpsel, Adapter und leere, trockene Spritzen. Das Abtropfgitter obendrauf erklärt sich von allein. Leider ist es nicht mal möglich, das so den ganzen Tag zu nutzen, wie es hier ist, weil meistens eine Schublade irgendwo anders rumsteht oder sogar das Ablauftablett auf dem Herd steht (je nachdem wer Nachtdienst hatte). Also soviel zur „Ordnung“. In der Theorie wäre das aber ganz gut.

Im Küchenschrank stehen die offenen Dauermedis, die grade in Benutzung sind in dem niedrigen weißen Körbche, rechts daneben sind Bedarfsmedis, darüber leere Flaschen

Der Cough Assist und das Zubehör für die Inhalation und der Angelvac (in der Stoffwindel) sind zusammen mit trockenen Tüchern und meinem Zeug (unterste Etage) auf einem Wagen in der Küche, weil wir ihn am Esstisch nutzen, der direkt vor der Küche steht.

Im Wohnzimmer hat Katharina ihre Wohlfühloase, sowas wie ein Tagesbett (sponsored by AKM), dort ist vorgesehen, Wickelzeug unterbringen zu konnen am Fußende

Im Keller stehen die kleinen Spritzen in Originalkartons, Filter, große Sondierspritzen, Schlauchsysteme, Masken etc. sind in solchen Körben untergebracht.

Unsere Absaugkatheter sind ebenfalls sortiert im Keller

Im Kinderzimmer haben wir auf dem Regal oben Wattestäbchen, Wattepads, Waschlotion etc. stehen, Wickelzeug und Waschschüssel sind auf dem umfunktionierten Regal (Rollen hingebaut) von der ehemaligen Wickelkommode.

Die Nische zwischen Kleiderschrank und Fenster haben wir gefüllt mit diesem Regel, da ist beschriftet alles drin was Pflaster ist, Zeug für Pulsoxy, Nasenbrillen, Absauger, steriles Wasser

Pflegeprodukte, Urinbeutel etc. sind in der Kommode gegenüber vom Bett.

Auf dem Wagen steht im Winter der Luftbefeuchter und Wasser für die Schwestern. Der Ordner für den Pflegedienst und sämtliche Bedienungsanleitungen sind in der grauen Box verstaut. Kann als Tisch oder Fußablage genutzt werden.

Schutz der Wände

Das hier ist eine Türecke auf dem Weg ins Kinderzimmer. Trotz aller Vorsicht und Abpolsterung der Hilfsmittel fährt man doch immer wieder dagegen. Die Wände sahen ganz ähnlich aus. Um sie vor größerem Schaden zu bewahren, haben wir Bretter vorgeschraubt und in der Wandfarbe gestrichen:

Auch die Ecken sind besonders durch angeklebte Winkelbleche geschützt:

Gastbeitrag: Organisation im Pflegezimmer

Neulich war Familie Suckert bei uns. Schnell kam das Gespräch auf die Pflegezimmer-Organisation: wenn ein Kind einen hohen Pflegeaufwand hat, muss man sich ein System schaffen um alles unter zu bekommen. Hier stellt Familie Suckert ihres vor:

Von Jenni Suckert

Der ganze Arbeitsplatz ist unser alter Wickeltisch.

Für die einzelnen Pflegebereiche hab ich Kisten und farbige Nierenschalen.

So ist z.B. grün für die Spritzen.

Rot für die Hörgeräte

Blau zum Darmspülen

Und pink für die Stoma/Sondenpflege. Sämtliches dauerhafte benötigtes Pflegezubehör ist kompakt verpackt in einer Ikea Box

Die Ikea Boxen sind eine großartige Sache. In einer weiteren haben wir die Dauermedis (ohne Verpackung) griffbereit

Da unsere Maus noch ziemlich klein und dünn ist, passen ihr noch die Babywindeln. Somit fand ich dieses Wickelkörbchen aus dem Drogeriemarkt ne tolle Sache.

Danke Jenni für diesen Einblick!

Do-it-yourself-Gerätewagen

Wir wollten Beatmungsgerät, alle Beatmungsmasken, Cough-Assist, Inhalationsgerät und eine „Krankenhaus-Kiste“ (in der alle notwendigen Dinge für einen akuten Krankenhausaufenthalt drin sind wie Ersatzschläuche, ausreichend Pflegemittel, Rausfallschutz,…) auf einem Wagen unterbringen. Diesen Wagen möchte ich Euch zeigen, vielleicht ist er ja eine Inspiration für Euer Pflege-Zimmer.

Zunächst kaufte mein Mann alle Teile:

Dann wurden alle Holzteile mehrmals lackiert. Im Alltag wird der Wagen desöfteren abdesinfiziert, da muss das Holz einiges aushalten…

Dann wurde die Schublade montiert…

Am Ende wurde der Rest zusammen geschraubt…

… und im Kinderzimmer bestückt:

Damit auch die Stecker besser erreichbar sind und es etwas besser ausgeschlossen ist, dass Judith durch Erbrechen die Sicherung rausspringen lässt und die Steckdosenleiste keinen Schaden nimmt (alles schon vorgekommen…), hat mein Mann noch eine robuste Halterung für die Steckdosenleiste gebaut:

Wartungsfreie Notfallklingel

Immer wieder gibt es Situationen, in denen uns der Pflegedienst schnell dazurufen muss aber nicht vom Bett weg kann. Klassisches rufen ist nicht so effektiv: verängstigt das Kind und evtl. hören wir es nicht. Der erste Versuch mit einer Funkklingel scheiterte: abwechselnd gingen die Batterien von Sender und Empfänger leer, üblicherweise genau in brenzligen Situationen.

Dann kam die wartungsfreie Klingel: der Sender holt sich die benötigte Energie aus dem Drückvorgang. Der Empfänger wird in die Steckdose gesteckt. Wir haben sie bei Conrad erworben.

sie heißt offiziell: Sygonix 1417379 Funkklingel Komplettset Batterielos.

Weniger Müll: waschbare Schutzkittel

Bei manchen Pflegemaßnahmen bzw. bei entsprechender Keimlage kommen hier im Pflege-Zimmer auch schon mal Schutzkittel zum Einsatz. Bisher hatten wir Wegwerfkittel- diese verursachen ein großes Müllvolumen. Schlecht für unsere Müllkapazitäten im Mehrfamilienhaus.

Lösung: waschbare Schutzkittel! Diese vermeiden nicht nur Müll, sie sind auch deutlich angenehmer zu tragen. Nach Benutzung können Sie bei bis zu 95 Grad gewaschen werden.Gefunden habe ich sie bei https://careline-shop.de/Produkte/Pflegebedarf/Schutzkittel/Schutzkittel-Farbe-Gelb-mit-Strickbuendchen.html .

Allerdings können dort nur Pflegeeinrichtungen bestellen und für den verzweifelten Privathaushalt machen sie auch keine Ausnahme… Daher bin ich den Weg über unsere örtliche Apotheke gegangen. Die dürfen wiederum dort bestellen…

Leider kann man die Kittel nicht über die Pflegehilfsmittelpauschale abrechnen. Naja, es ist dafür eine einmalige Investition.

Für unsere Zwecke ist es genau die passende Lösung!